Aus welchem Grund ein guter „Aufreißer“ in der Kommunikation die Nase vorne hat

Aktualisiert: 22. Dez 2018

Kennst du Frauen und Männer, die einfach jeden um den Finger wickeln. Sie lernen jemanden kennen und schon nach kürzester Zeit, hast du als Beobachter das Gefühl, die beiden sind auf der gleichen Wellenlänge, da schwingt Sympathie und eine starke Anziehung mit. Die erfolgreichen „Aufreißer“.

Was tun sie, um genau diese Wirkung zu erzielen? Und was hat das mit erfolgreicher Kommunikation zu tun?



Schauen wir einfach mal was sie tun, um ans Ziel zu kommen:

Kontaktaufnahme

Bevor ein guter Aufreißer jemanden anspricht, beobachtet er. Das ist mir erstmals so richtig bewusst geworden, als ich mit 2 Freunden in einer italienischen Bar in Wien war. Wir waren nach einem guten Abendessen noch auf ein Glas Wein hingegangen, die Stimmung war gut. Die beiden wurden auf einen Mann aufmerksam, der etwas abseits stand und die Lage sondierte. Sein Blick fiel auf eine Frau, die alleine an der Bar stand und ihm offensichtlich gefiel. Meine Freunde wetteten wie lange es noch dauern würde, bis er die Frau anspricht. Und in der Tat es dauerte nur wenige Minuten. Diese Minuten nutzte er, um die Frau unauffällig zu beobachten, er ließ immer wieder den Blick schweifen, um dann wieder zu seiner Auserwählten zurückzukommen.

Der erste Eindruck

Ich bleibe gleich bei diesem Beispiel. Als er dann auf sie zuging, war nichts Hastiges in seinen Bewegungen. Mit einem sympathischen Lächeln und selbstsicherer Haltung stellte er sich neben sie und begann eine Unterhaltung…

Fragen, fragen, fragen

Die Nummer „ich schau dir in die Augen und weiß was du willst“ ist beeindruckend, wenn sie funktioniert, nur ich behaupte, die wenigsten verfügen über derartige Fähigkeiten und wenn sie nicht funktioniert, löst sie höchste Irritation aus… Ich erinnere mich an eine Sprachreise, die ich während meines Studiums machte. Südspanien, Sonne, Meer, gute Laune… An einem meiner ersten Abende, ging ich mit ein paar anderen Sprachschülern etwas trinken. Die Bar hieß „Coconuts“ und ich freute mich schon auf eine Pina Colada. Als der Kellner kam, um die Bestellung aufzunehmen, sagte ein Schweizer zu mir: „sag nichts, ich weiß was du willst“. Er überrumpelte mich damit so sehr, dass ich ihm das Bestellen überließ. Außerdem fand ich es irgendwie witzig. Dann kam das Getränk, der erste Schluck und ich überlegte, welchen Eindruck ich auf andere Menschen mache, denn der Cocktail war extrem bitter, so gar  nicht mein Geschmack (das wurde sicher noch verstärkt, weil ich ja an eine fruchtig süße Pina Colada gedacht hatte). Mir war es dann unangenehm, ihm genau das sagen zu müssen und ganz ehrlich, er hatte bei mir einen dicken Minuspunkt, denn ich fand sein Verhalten aufdringlich.

Modell „Märchenprinz“ hat ausgedient. Deshalb startet ein guter Aufreißer nicht mit seiner „Präsentation“, wer er ist, was er macht, kann, hat,… sondern damit, Fragen zu stellen. (kleiner Tipp dazu: gib offenen Fragen, das sind die, wo der andere viel erzählen kann, den Vorzug. Bei den Geschlossenen (nur ja oder nein als Antwort möglich,  vermittelst du das Gefühl, dass du deinen Gesprächspartner verhörst).

Was erreicht er damit?

Er zeigt, dass er am anderen wirklich interessiert ist, dass er ihn in den Mittelpunkt stellt. Denk dabei immer an folgenden Satz: „Sprich über dich und du langweilst deinen Gesprächspartner, sprich über sie/ihn und du wirst sie/ihn begeistern.“

Zuhören

Damit meine ich die echte, wirklich wohltuende Art des Zuhörens.

Wie fühlst du dich, wenn dir jemand all seine Aufmerksamkeit schenkt, wenn er an deinen Lippen hängt und jedes deiner Worte in sich aufsaugt. Gutes Gefühl, gell?

Wie erweckt ein guter Aufreißer genau dieses Gefühl?

Er unterbricht niemals seinen Gesprächspartner, er lässt ihn ausreden

Welchen Eindruck gewinnst du, wenn dich jemand etwas fragt und kaum willst du antworten, unterbricht er dich auch schon wieder? Passiert es einmal, siehst du darüber hinweg, passiert es öfter bist du zuerst irritiert und dann irgendwann verärgert und überlegst wahrscheinlich, wie du dich möglichst schnell verabschieden kannst.

Er setzt  soziales Grunzen und Nicken ein, um seinen Gesprächspartner zu motivieren weiterzusprechen.

Unter „sozialem Grunzen“ versteht man: mhm, ja und ähnliche Laute, die signalisieren, dass du zuhörst

Sie schauen ihren Gesprächspartner an.

Vielleicht hast du es schon einmal erlebt, wie sehr es dich verunsichert, wenn du jemanden etwas erzählst und plötzlich beginnt der andere seinen Blick schweifen zu lassen. Du hast schnell den Eindruck, er hört dir nicht mehr zu und/oder was du sagst interessiert ihn nicht.

Er stellt vertiefende Fragen.

Das zeigt echtes Interesse, denn um wirklich sinnvolle Fragen stellen zu können, ist es erforderlich, zuerst zuzuhören. Außerdem signalisiert er damit, das ist so interessant, ich will noch mehr wissen…

Eine zugewandte Körperhaltung und ein sympathisches Lächeln runden das Ganze ab

Vertrauen schaffen

Ein guter Aufreißer schafft es innerhalb kurzer Zeit eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Er gibt seinen Gesprächsapartnern das Gefühl, dass er sie versteht und Verständnis für sie hat. Überleg einmal, wie wohltuend du Menschen empfindest, über die du denkst, sie/er versteht mich wirklich, das sind auch genau die Menschen, denen du gern dein Vertrauen schenkst.

Gemeinsamkeiten

Er wird immer wieder Gemeinsamkeiten herausstreichen, denn der Satz „gleich und gleich gesellt sich gern“ birgt viel Wahrheit in sich. Damit gibt er seinem Gesprächspartner das Gefühl, dass sie sich schon ewig kennen und verstärkt damit nochmals die Vertrauensbasis.

Ein weiterer kleiner Tipp dieses Gefühl hervorzurufen ist die Worte deines Gesprächspartners zu verwenden, du gibst ihm damit das Gefühl, dass ihr die „gleiche Sprache“ sprecht.

Aufmerksamkeit

Ein guter Aufreißer ist aufmerksam, er sieht, wenn das Glas leer ist, er bemerkt ein Frösteln… und reagiert darauf. Und ehrlich, wie fühlst du dich, wenn dir jemand so viel Aufmerksamkeit schenkt, dich derartig umsorgt…

Noch einmal zusammengefasst, wenn du in der Kommunikation punkten willst, dann beobachte zunächst, verschaff dir einen Eindruck, wer der andere ist, achte auf deinen ersten Eindruck, lass den anderen ausreden, stelle Fragen, überwiegend offene, höre wirklich aufmerksam zu, zeig Verständnis, finde Gemeinsamkeiten und sei aufmerksam. Freu dich über die Ergebnisse, die du damit erzielen wirst. Das funktioniert übrigens beruflich und privat.

Falls Du mir deine Erfahrungen erzählen willst oder Fragen hast, dann nutze bitte das Kommentarfeld unterhalb des Artikels.

Alles Liebe

Birgit