Sprich Klartext


Claudia ist vollkommen fassungslos. Sie ist gerade nach einem 10 Stunden Arbeitstag nach Hause gekommen und gleich über den Müllsack gestolpert. Als nächstes ist sie hungrig zum Kühlschrank – die große Leere. Sie denkt sich, das kann doch nicht wahr sein, sieht er das wirklich nicht, muss immer alles ich machen?


Sollten ihre Freundinnen wirklich Recht behalten?


Es hatte alles so wunderbar begonnen. Stefan war ihr Traummann. Er hatte ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen, sie genau in die Restaurants eingeladen, die ihr am besten gefielen, war mit ihr Tanzen gewesen….

Als sie ihren Freundinnen damals erzählte, dass sie bereits nach 4 Monaten zusammenziehen

wollten, weil es einfach passte, kamen sofort die Unkenrufe „du wirst schon noch sehen“, „pah, Wünsche von den Augen ablesen, schauen wir einmal wie es in einem halben Jahr ist“… Sie hatte sich damals gedacht, ihre Freundinnen kennen Stefan nicht so gut und sind selbst nicht sehr verwöhnt was das betrifft.

Bevor sie zusammengezogen sind, hatten sie sich auch lange unterhalten, wie sie sich den Haushalt teilen würden.

Ganz am Anfang war es auch einfach nur wunderbar. Ja vielleicht war ihr Anteil da bereits schon größer, doch sie liebte Stefan und wollte ihn so richtig verwöhnen. Mittlerweile kam es ihr so vor, dass die ganze Arbeit an ihr hängenblieb.

Stefan musste doch merken, wie erschöpft sie war, vor allem seit das neue Projekt begonnen hatte.

Sie merkte, dass sie von Tag zu Tag unzufriedener wurde. Doch sie wollte nichts sagen, sie wollte, dass er von selbst drauf kam, es selbst sah. Denn sie würde ja auch…..


***


Bereits 18h30 und noch immer sitzt Doris im Büro, ihre Mitarbeiter sind schon längst nach Hause gegangen, doch so wie es ausschaut, wird es bei ihr noch länger dauern. Dabei erledigt sie gerade zum größten Teil die Arbeit ihrer Mitarbeiter. Als sie die Leitung des Teams übernommen hat, war sie voller Enthusiasmus gewesen. Sie wollte alles anders machen, als ihr früherer Chef, der ein echter Despot war. Sie wollte, dass ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich arbeiteten. Ihr Chef hatte ihr immer jeden kleinsten Arbeitsschritt genau angeordnet und sie ständig kontrolliert. Wenn sie nur daran denkt, spürt sie die Anspannung von damals.

Sie hatte sich, bevor sie die Führungsposition übernahm, intensiv mit den Themen Mitarbeitermotivation und Führung auseinandergesetzt. Für sie war vollkommen klar, dass der

einzige Weg zu motivierten Mitarbeitern war, sie sich ihre Arbeit selbst einteilen zu lassen und so viel Verantwortung wie möglich zu übertragen. Sie wollte, dass ihre Mitarbeiter mitdachten.

Doch irgendwie schien seit Wochen nichts zu funktionieren. Gerade die wichtigsten Dinge blieben liegen. Sie hatte doch gesagt, dass es für dieses Projekt einen Abgabetermin gab, der nicht verschoben werden konnte. Doch es schien allen gleichgültig zu sein. Und so saß wieder einmal sie im Büro, damit sie es schafften.


Sie konnte es einfach nicht verstehen, wie oft hatte sie sich früher gewünscht genau so arbeiten zu dürfen, wie sie es ihren Mitarbeitern jetzt ermöglichte. Sie würde…


Ich gebe zu, ich kenne das zur Genüge. Wie oft habe ich den großen Fehler gemacht und mir gedacht: er/sie muss es doch sehen/merken. Ich würde doch auch… Was hat es mir gebracht? Enttäuschung, Ärger, schlechte Stimmung und einmal auch aufgeschlagene Knie und einen zerrissenen Rock, als ich während meines Studiums als Kellnerin arbeitete und einen Stapel mit ungefähr 20 Tellern balancierte. Meine Kollegen haben mir fasziniert zugeschaut, doch die Tür hat mir keiner geöffnet und wieder einmal hinderte mich der Gedanke „das müssen sie doch sehen“ daran, zu bitten, dass mir jemand behilflich war. Und so saß ich in den Scherben und ärgerte mich…


Auch in meinen Beziehungen habe ich mir immer erwartet, dass mein Partner sich so verhält, wie ich es auch tun würde.


Es hat dann noch ziemlich lang gedauert, bis ich die wirklich Schuldige enttarnte – nämlich mich selbst. Denn wie sollte ein anderer sich so verhalten oder das gleiche denken wie ich? Er ist ein anderer Mensch, mit anderen Sichtweisen, Prioritäten und Verhaltensmustern.

Seit ich die Verantwortung dafür übernommen habe, dass meine Wünsche erfüllt werden, indem ich sie ganz klar ausspreche, sind meine Beziehungen beruflich und privat viel entspannter und ich ärgere und kränke mich viel weniger.

Zuerst hatte ich fast Hemmungen, meine Wünsche einfach auszusprechen, denn ich wollte ja

niemanden herumkommandieren. Doch bald habe ich erkannt, dass meine Umgebung auch viel besser damit klar kommt, wenn ich sage was ich will und nicht enttäuscht und verstimmt reagiere, wenn es nicht von selbst passiert.

Ich folge dabei dem Grundsatz „hart in der Sache, weich zum Menschen.“ Denn nur wenn ich klar kommuniziere, was ich will, darf ich mir auch das Ergebnis erwarten, dass ich mir wünsche.


Sprich Klartext: So funktioniert´s:

  •  Werde dir selbst bewusst, was du willst

  •  Kommuniziere es klar das bedeutet, streiche Formulierungen wie: + Könntest du vielleicht… + Es wäre fein, wenn… + Das muss heute noch erledigt werden (ohne dabei jemand bestimmte anzusprechen) Und ersetzte sie durch + Erledige das bitte für mich, ich brauche es um 16 Uhr. + Gehst du bitte heute einkaufen. Ich habe dir eine Liste geschrieben. + Herr Mayer bitte schreiben Sie dieses Protokoll und schicken es bis spätestens 17 Uhr an Abteilung XY. In manchen Fällen, ist es besser nachzufragen. Z.B. beim Protokoll, frage einfach, ob Herr Mayer noch Unterlagen oder Unterstützung benötigt.

Falls du bisher auch zu den Menschen gehört hast, die hoffen, dass sich andere so verhalten, wie du es auch tun würdest und dabei oft enttäuscht wurdest empfehle ich dir, probier es einfach aus, sprich Klartext! Du wirst überrascht sein, wie gut das deiner Lebenskraft und Lebensfreude tut. ;)

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema? Ich freue mich über deinen Kommentar und natürlich auch über Fragen.


Alles Liebe & viel Erfolg dabei

Birgit PS: willst du regelmäßige News, Tipps & Tricks rund um das Thema "wie du wieder mehr Lebenskraft, inneren Antrieb und Lebensfreude gewinnst" erhalten, dann trag dich hier ein.